Die Geschichte der Galerie im Alten Rathaus

Stätte künstlerischer Begegnung

Zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen des Chiemgaus zählt die im Jahr 1985 eröffnete Galerie im Alten Rathaus in Prien.

Dort wo früher trockene Verwaltungsarbeit stattfand, befindet sich heute eine Stätte künstlerischer Begegnung an der in den letzten Jahren rund 100 Ausstellungen gezeigt wurden.

Bereits um 1800 kamen die ersten Landschaftsmaler an den Chiemsee, 1828 wurde die weltweit berühmte Künstlerkolonie Frauenchiemsee gegründet.

Prien selbst war Standort der Künstlervereinigung Bären und Löwen (1855 bis 1909), der Welle (1922 bis 1934) und konnte bereits im August 1945 die erste Kunstausstellung nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland zeigen.

Aufbauend auf die reiche Kunstsammlung der Marktgemeinde Prien, die ab 1913 angelegt wurde, finden in der Galerie im Alten Rathaus zahlreiche Retrospektiven der Maler und Bildhauer am Chiemsee statt. Zeitgenössische Kunst wird in der Ausstellung „Kunst im Chiemgau“, alljährlich im Juli und August gezeigt.

In den letzten Jahren konnten auch international bekannte Künstler, wie Dalí, Ernst, Miró, Friedensreich Hundertwasser, Keith Haring und James Rizzi gezeigt werden.

„Euer Hochwohlgeboren wernden es nicht für ungütig aufnehmen…“

Als sich im Jahr 1912 Priener Honoratioren bemühten ein Museum zu gründen, das zunächst bevorzugt Schülern als Lernort dienen sollte, aber auch »voraussichtlich von Fremden besucht wird«, galt es von Anbeginn auch eine Gemäldesammlung der »Chiemseemaler«anzulegen. Grundstock dieser Sammlung bildete der künstlerische Bestand der geselligen Vereinigung der »Bären und Löwen«, einer Gruppe von Künstlern und Intellektuellen, die sich ab 1855 bis 1909 zur Sommerfrische in Prien einfand.

Heinrich Heidner, Blumen im Krug

Glücklicherweise hat sich diese Stiftung bis heute erhalten. Wichtige Arbeiten stammen von Hermann und Hugo Kaufmann, sowie von Wilhelm Marc.
Die Initiatoren des Museums verstanden es, mit Hinweis auf diesen Schatz und mit gezielten Schreiben an ausgewählte Künstler(»Euer Hochwohlgeboren werden es nicht für ungütig aufnehmen…«) zahlreiche bedeutende Bilder als Geschenk zu erhalten. Darunter finden sich Namen wie Karl Raupp, Josef Wopfner, Franz Roubaud, Ludwig von Zumbusch und Hermann Groeber, sowie auch Rudolf Sieck.

Der Großteil dieser Maler stand für die Künstlerkolonie Frauenchiemsee, die ab 1828 durch Maximilian Haushofer und Christian Ruben in einer ersten Phase begründet wurde, ehe Raupp und Wopfner im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts als »Malerkönige« der Insel berühmt wurden, und deren Bilder in unzähligen Reproduktionen den Chiemsee bekannt machten.

Dabei begann die »Entdeckung« des Chiemsees bereits vor 1800 als Johann Georg von Dillis erstmals den See mit seinen Inseln zeichnete. Sein Aquarell von Rimsting aus, das noch die Doppelturmfassade des Herrenchiemseer Domes zeigt, wurde wenige Jahre später von Simon Warnberger radiert und zählt heute ebenfalls zu den Schätzen der Priener Sammlung, die daneben sechs seltene lithographierte Ansichten Friedrich Wilhelm Dopplmayrs enthält.

Rudolf Sieck, um 1913

Um 1900 begannen sich die Künstler ganz am See niederzulassen. Erste Villen entstanden, Bauernanwesen wurden zu Ateliers umgestaltet. Die Kunstsammlung der Marktgemeinde bewahrt zahlreiche Werke dieser Kunstschaffenden, die sich insbesondere nach dem 1.Weltkrieg in Künstlervereinigungen wie den »Frauenwörthern« (1920 bis 1960) und der »Welle« (1922 bis 1934) organisierten.

Zentrale Personen bei Ersterer waren Hiasl Maier-Erding, Thomas Baumgartner und Constantin Gerhardinger. Dazu kommen später Alfred Haushofer, Rudolf Sieck, Rudolf W. Groeschl, Albert Stagura, um nur einige zu nennen. Ausstellungsort war die Torhalle auf Frauenchiemsee.

Die »Welle« stellte die Werke ihrer Mitglieder und Gäste in einem privat gebauten Pavillion in Prien-Stock aus. Die bedeutendsten Vertreter waren Paul Roloff ,Bernhard Klinkerfuß, Emil Thoma, Karl H. Müller-Samerberg, Friedrich und Lisbeth Lommel, sowie zu Beginn Rudolf Sieck.

Beide Gruppen bilden innerhalb des Priener Bestandes einen Schwerpunkt, dem durch die Stiftung Fritz Aigner mit der beinahe gesamten Druckgraphik Rudolf Sieck sein Höhepunkt gesetzt wurde.

Hötzendorf, 1962

Im Jahr 1945 fand in der Marktgemeinde die erste Kunstausstellung nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland statt.
Zu verdanken ist dies insbesondere dem Maler und Graphiker Wilhelm G. Maxon, dem es gelang, zahlreiche bedeutende Künstler zu bewegen, ihre Arbeiten hier zu zeigen. Dazu zählen vor allem Karl Caspar, Maria Caspar-Filser, Arnold Balwe, Elisabeth Balwe-Staimmer, Willi Geiger, auch der damals noch völlig unbekannte Rupprecht Geiger. Ausstellerin der ersten Stunde war auch die Bildhauerin Marianne Lüdicke, deren künstlerisches Werk einmal nach Prien kommen wird.

Aus dieser künstlerischen Tradition haben sich die Jahresausstellungen Chiemgauer Künstler entwickelt, die heute unter dem Titel »Kunst im Chiemgau« eine Bestandsaufnahme regionalen Kunstschaffens bietet. Insbesondere Werke dieser letzten 50 Jahre stehen heute im Mittelpunkt der Sammlungstätigkeit.

Durch zahlreiche Einzelstiftungen und Ankäufe, die vor allem durch den 1985 gegründeten Kulturförderverein Prien unterstützt werden, kann die Galerie auch im Bereich moderner Kunst einen repräsentativen Querschnitt anbieten.
Daneben stehen aber auch weiterhin große Einzelstiftungen, wie die Schenkung Hötzendorff/Hauenstein von 1974, oder die Stiftungen Johannes Schmid-Schilding, einem am Samerberg und in Italien ansässig gewesenen Maler. Mit mehr als 120 Arbeiten besitzt der Markt Prien heute die größte Sammlung des zur »Münchner Schule« gehörigen Fritz Halberg-Krauss. Nachlässe, wie die der Prienerin Hermine Tomanek aus der »Priener Künstlergruppe«, später dem »Kalenderkreis«, bereichern die Bestände in großem Maße.

Weitere große Schenkungen stehen an, die der kulturellen Tradition der Marktgemeinde Prien Maßstäbe setzen werden. Regionale Kunstpflege, die die Verpflichtung beinhalten, diese Kunstwerke nicht nur sachgemäß zu bewahren, sondern auch wissenschaftlich zu bearbeiten, zu veröffentlichen und auszustellen.

Die jährlichen fünf Ausstellungen in der Galerie im Alten Rathaus dienen dieser wichtigen Aufgabe und »euer Hochwohlgeboren werden es nicht für ungütig aufnehmen«, wenn wir uns wieder einmal aufmachen und um Stiftungen bitten, damit eine Sammlungslücke geschlossen werden kann.

Karl J. Aß

Bären und Löwen 1855 – 1897

Wenn auch die Fraueninsel im vorigen Jahrhundert als Stammplatz der Maler galt, so schloß sich auch in Prien ein Kreis von Künstlern zusammen, der sich mit befreundeten Gästen und Einheimischen vorwiegend in den Sommermonaten zu geselligem Beisammensein traf. Sie alle vereinigte eine Freundschaft, die auf Humor, guter Laune und Frohsinn gegründet war. Sie nannten sich »Bären und Löwen«.

Hugo Kaufmann, 1879

Die Chronik der »Bären und Löwen«,eine Art Künstlerchronik wie die der »Künstlerherberge zu Frauenwörth«, gibt uns den zum Teil in Dialektform abgefassten Schilderungen von Ausflügen, Wanderungen, Kutschpartien, geselligen Abenden und fröhlichen Veranstaltungen nach über einem Jahrhundert Aufschluss darüber, welche Künstler diesem »erlauchten Kreise«damals angehörten. Im Verzeichnis der lobwerthen Herrn Bären und Löwen, die den Entschluss gefasst hatten, eine solch vornehme Chronik zu stiften, haben sich unter anderem folgende Maler eingetragen: Hermann Kauffmann, Max Hauschild, Julius Frank, Felix Schlesinger, Hugo Kauffmann, Carl Buchner, Carl Roux, Julius Noev und Gabriel Hackl. Viele bekannte Namen tauchen noch im Verzeichnis auf. So der ehemalige Lehrer Anton Hager, der seit 1.September 1874 in Prien unterrichtete und dessen Tochter Franziska, die zur großen Schilderin der Chiemgauer Heimat und des Chiemgauer Brauchtums wurde. Wir finden Eintragungen vom Post- und Bahnexpeditor Kirchner, vom Lehrer Dettendorfer und vom Bahnmeister Josef Kornegger, der von 1860 bis 1900 in Prien lebte und 1897 zum ersten Ehrenbürger ernannt wurde.

Die in der Zeit erbauten Hotels »Chiemsee« (1864) und »Kampenwand« (1874) wurden für die Lokalgeschichte Priens von Bedeutung: Am 18. 8. 1867 hielten sich König Ludwig II. von Bayern, unser Märchenkönig, und KaiserNapoleon III. von Frankreich mit seiner Gemahlin Eugenie für kurze Zeit in Prien auf.

Der König begab sich ins Hotel »Chiemsee«, um dort zu übernachten. 1875 pachtete die jung verwitwete Mutter Ludwig Thomas das Hotel »Kampenwand«und führte es bis zum Jahr 1886. Im zweiten Jahr ihres Aufenthaltes in Prien wurde ihr damals neun Jahre alter Sohn und ewiger Lausbub »Ludwig I« Zeuge der Einweihung des damaligen Kriegerdenkmals. Er berichtete in seinen »Erinnerungen« darüber, und seit dieser Zeit haftet den Prienern in eingeweihten Kreisender Name »Duttenfeiler« an.

Was die Chronik so wertvoll macht, ist eine Anzahl von Zeichnungen und Aquarellen. Das prächtige Titelblatt der sich gegenseitig zuprostenden Bären und Löwen von Max Hauschild läßt vermuten, es handle sich um die Wappentiere Bayerns und Berlins, also um die Freundschaft zwischen Bayern und Preußen. Dies erweist sich als Trugschluß. In der Chronik steht zu lesen: »Wie die Chronika für uns lehrreich, so wird es für die Nachwelt nicht minder von Wert sein, zu erfahren, was zur jetzigen Zeit (geschrieben im Jahre 1880) passiert ist, und das ein Maler und Professor in die Natur so tief einblickte, dass er in unseren Leibern Löwen- und Bärenseelen entdeckte, und dass die allein herumstreunenden Löwen, die aber mit Weiblein herumbummeln, Bären sind, und dass durch die Beweibung sich die Metamorphose vollzieht, wodurch Löwen in Bären umgewandelt werden.« Freilich gab es auch hier feine Unterschiede zwischen Salon-, Bier- und Prachtlöwen und den Stand-, Wander-, Wasch-, Brumm- und Eisbären, wie die Chronik vermeldet.

Karl Raupp, um 1910

Hermann Kauffmann, Julius Frank, Carl Roux, Felix Schlesinger, Julius Noev, Hugo Kauffmann und viele andere Künstler schmückten im Laufe der Jahre mit Zeichnungen und Aquarellen die Chronik, die die Jahre 1855 bis 1897 umspannt. Die meisten Künstler, die bei der malerischen Ausstattung des Schlosses Herrenchiemsee in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mitwirkten, gehörten dem Freundeskreis der Bären und Löwen an. Ihre Gemälde kann man heute noch in den Prunkräumen des Märchenschlosses bewundern.

Die verheißungsvoll begonnene Chronik schließt 1897 mit einer traurigen Kunde: »Die alte Bären- und Löwenhöhle bei Söllhuber ist durch ein trauriges Ereignis in ihrem fröhlichen Treiben gestört worden, da ihre korpulente, intelligente, stämmige Bären- und Löwenwirtin, Stutzl-Wirtin benannt, die die Bären und Löwen reichlich mit Futter und Trank versah, plötzlich vom Tod dahingerafft wurde. Sie wurde zwar durch eine größere und breitere Wärterin ersetzt, die aber den Heißhunger und Durst der Bären und Löwen nicht zu befriedigen verstand und sich so nach und nach dieselben verliefen, ihre Atzung woanders suchend. So verödete die alte Bären- und Löwenhöhle nach und nach vollständig.«

Der Wunsch der noch verbliebenen jungen »Löwen« – viele „Bären« hatten inzwischen das Zeitliche gesegnet- sich wieder in der »Bärenhöhle« in Eintracht und Heiterkeit zu versammeln, ging leider nicht in

Erfüllung. Die Gesellschaft zerfiel. Mit dem anbrechendenneuen Jahrhundert entschwand das »Gesellige«, die Technik hielt mit Riesenschritten ihren Einzug.

Leider ist die ehemalige »Bärenhöhle«, die sich im Gebäudedes späteren »Brucknwirts vom Gries« befand, in den letzten Jahrzehnten umgebaut worden.

Die von den Künstlern zur Ausschmückung der damals gemütlichen, einfachen, aber guten Wirtschaft gestifteten Gemälde, Zeichnungen und die prächtige Chronik gingen nach Auflösung der »Gesellschaft« in den Besitz des Marktes Prien über, wo sie bis zur Schaffung des Heimatmuseums in der »Weinstube beim

Sterr« (heute Cafe Heider) die Räume zierten. Nunmehr ist die gesamte Stiftung der »Bären und Löwen« in einem Raum der »Galerieim alten Rathaus« wieder vereint, die uns nach einem Jahrhundert die »gute und gemütliche Zeit« in Erinnerung bringt.

Fritz Aigner

Die Welle – Freie Vereinigung Chiemgauer Künstler 1922 – 1933

„Der Chiemgau ist ungemein malerisch, und wenn sich immer mehr Maler in ihm dauernd ansiedeln so ist das nur natürlich“, schrieb der universale Schriftsteller Josef Hofmiller. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass nach der Jahrhundertwende, aus den verschiedensten Gauen Deutschlands stammend, u. a. die Maler Karl Hermann Müller-Samerberg, Emil Thoma, Bernhard Klinckerfuß und Paul Roloff im Chiemgau sich niederließen. Sie liebten diese selbst gewählte oberbayerische Heimat und lebten in ihr in engster Fühlung mit Landschaft und Leuten.

Das Emblem der Welle

Wie viele der anderen Künstler um den Chiemsee beschickten sie die großen Ausstellungen in den Städten. Aber als in der Nachkriegszeit die ernste und gewissenhafte Kunst von den Kritikern als langweilig und überlebt abgetan wurde, suchten sie nach neuen Wegen, um zur Geltung zu kommen. Manche von ihnen traten in den 20er Jahren dem neu gegründeten „Chiemgauer Künstlerbund“ bei, der im Jahre 1921 im alten Schloss zu Herrenchiemsee seine erste Ausstellung durchführte. Einige suchten Aufnahme bei den „Frauenwörthern“, einer kleinen Gruppe von Malern, die die althergebrachte Tradition der Münchner-Schule und der „Chiemseemaler“ aufrecht erhielt, und die ebenfalls 1921 in der Torhalle zu Frauenwörth ihre Pforten öffnete.

Die buntgewürfelte Bilderschau auf Herrenchiemsee und die konservative Ausstellung auf der Fraueninsel befriedigten sie nicht. Sie suchten nach einer Lösung, wie sie ihre Bilder in ihrer persönlichen Eigenart und in ihrem Wert am besten zur Geltung bringen könnten.

So gründeten die Maler Klinckerfuß, Roloff, Thoma sowie Müller-Samerberg und Paula Rösler und der Bildhauer Friedrich Lommel eine „Freie Vereinigung Chiemgauer Künstler“, die auf Vorschlag von Annette Thoma, der Frau Emil Thomas, den Namen die „WELLE“ erhielt.

Da alle Möglichkeiten eigene Ausstellungsräume zu bekommen scheiterten, war es die Idee von Bernhard Klinckerfuß, selbst ein Gebäude zu errichten. Er entwarf einen kleinen Kunsttempel, der den Vorstellungen der Mitbegründer entsprach. Man schritt im Jahre 1921 unter dem nimmermüden Einsatz von Klinckerfuß sogleich zur Tat. Als Baugrund für den Pavillon war die „Stocker-Schäre“, die heutige Strand promenade, vorgesehen, den die damalige Krongutverwaltung billig an sie verpachtete. Die Lage war ideal.

Die Baukosten wurden von den Mitgliedern nach den finanziellen Möglichkeiten jedes einzelnen ganz alleine aufgebracht. Auch später wurde die „Welle“ ohne jede öffentliche oder private Hilfe mit viel Idealismus und großem Opfermut in schwierigster Zeit von den Künstlern getragen. Das schlichte, formschöne, mit künstlerischem Takt in das Landschaftsbild eingefügte Ausstellungsgebäude hatte außer ein paar Nebenräumen vier Ausstellungsräume, die zweckmäßig und mustergültig von oben belichtet waren. Die Verbindungswände vom Vorraum zum Hauptraum konnten zurückgeklappt werden, so daß ein großer Saal für Konzerte entstand, was sich schon im nächsten Jahr bei einem Klavierkonzert von Prof. Schmid-Lindner in schönster Weise bewährte.

Die Fassade schmückten zwei Terrakotta-Reliefs von Friedrich Lommel. Der Ort Prien hatte nun ein eigenes Kunstausstellungsgebäude und damit einen neuen Anziehungspunkt erhalten, und man durfte hoffen, das bisher vielfach nur als Einfallstor für die Inseln betrachtete Stock auch als Ausflugsziel zu gewinnen. Am 24. Juli 1922 konnte die erste Ausstellung eröffnet werden. Aussteller waren die Gründungsmitglieder: Klinckerfuß, Roloff, Thoma, Müller-Samerberg, Lommel und Paula Rösler; dazu kamen Rudolf Sieck, Rudolf Hause und Wolfgang Zeller.

Ausstellungspavillon auf den Schären

Zusammengefunden hatte man sich nach künstlerischem und menschlichem Verstehen, deshalb konnte auf eine Jury verzichtet werden. Jeder war für seine Ausstellungswand, die jährlich gewechselt wurde, selbst verantwortlich. Dies galt auch für die Gastaussteller, von denen einige als „regelmäßige Gäste“ viele Jahre hindurch mit der Stammannschaft ausstellten.

So gesellte sich seit 1923 die Malerin Lisbeth Lommel dazu. Im Jahre 1925 wurde eine Gedächtnisausstellung von Bildern des hochbegabten Franz Lechner, der im Vorjahr einer heimtückischen Krankheit erlegen war, gezeigt. Werke der Rosenheimer Lukasgilde, vor allem Arbeiten von Dr. Benno Eggert und Heinrich Hieke ergänzten 1926 die Schau im Graphik-Kabinett. Zu erwähnen ist, daß seit diesem Jahr die Mitglieder der „Welle“ dem damaligen Kur- und Verschönerungsverein einen Raum als Lesehalle zur Verfügung stellten, der von den Gästen gerne angenommen wurde. Auch fanden die wöchentlichen Konzerte der „Musica Anima“ bei freiem Eintritt großen Zulauf.

Ab 1927 zeigten die Maler Theo Binter, Lucidus Diefenbach, Ewald Vetter und der Stuttgarter Tiermaler Hans Molfenter je einmal ihre Werke. Viele Jahre hindurch waren Josef Neumann und der bedeutende Kupferstecher Hans Otto Schönleber mit vorzüglichen Graphiken vertreten. Eine besondere Bereicherung erfuhr die „Welle“ durch den kraftvollen Maler Prof. Theodor Hummel, der ab 1927 bis zu ihrem Ende 1933 bei der Welle blieb, ebenso wie E. E. Heinsdorff seit 1927 und ab 1929 Oskar Martin-Amorbach.

Als Jahr von besonderer Bedeutung erwies sich 1928. Eine Sonderschau mit einer großen Anzahl Bilder zum 80. Geburtstag von Prof. Karl Hagemeister, dem Freund und Biographen von Karl Schuch, übte eine starke Anziehungskraft aus. Hagemeister, eigentlich der Maler der Ostsee, hatte den Chiemgau ins Herz geschlossen, seit er ihn in den siebziger Jahren zum erstenmal durchwanderte.

Gleich im nächsten Jahr konnte der im In- und Ausland gleich hoch geschätzte Prof. Max Slevogt als Aussteller gewonnen werden. 40 Graphiken, Zeichnungen, Radierungen und Lithos konnten aufgelegt werden. Seine ungemein fesselnde geistreich-phantastische Kunst in Ruhe betrachten zu können, war in den Räumen der „Welle“ eine besonders günstige Gelegenheit.

Der Erfolg des Jahres 1929 war so groß, daß Slevogt im darauf folgenden Jahr auch einige Ölgemälde einreichte. Seine Beteiligung – um die sich Kunstausstellungen sonst förmlich rissen – fand größte Beachtung in Fachkreisen, da sie Zeugnis dafür ablegte, wie hoch die Ausstellung des „Welle-Kreises“ von diesem Meister internationaler Geltung eingeschätzt wurde.

Immer bemüht um ein hohes Niveau und um Abwechslung, haben die Männer der „Welle“ in bescheidener Zurückhaltung gegenüber anerkannten auswärtigen Künstlern, diese immer wieder eingeladen.