SEHSTÜCK | MÜNCHENER KUNSTAKADEMIE | ANKE DOBERAUER + KLASSE.

15.06. – 09.07.2017

Als erste Ausstellung zeitgenössischer, junger Kunst in der umgebauten Galerie im Alten Rathaus zeigt der Kulturförderverein Prien die Malerin Anke Doberauer mit ihrer Klasse für Malerei und Grafik der Münchener Akademie der Bildenden Künste. Die Künstler nahmen die Ausstellung zum Anlaß, um sich vor Ort im Rahmen eines Plein-Air-Malereiworkshops mit der Chiemseelandschaft und dem Wirken der historischen Künstlerkolonie auseinanderzusetzen. Im Verein mit anderen Werken der jungen Künstler gezeigt, bilden die neu entstandenen Arbeiten das Herzstück der Ausstellung.

Das Leben in einer Künstlerkolonie ist angesichts der fortschreitenden Fragmentarisierung unseres städtischen Lebens ein aussterbendes Konzept. Die Plein-Air-Malerei, also das direkte Malen vor Ort an der freien Luft, hatte in der Genese der modernen Kunst eine zentrale Rolle gespielt, von John Constable über die Schule von Barbizon und Gustave Courbet bis hin zum Impressionismus und Cézanne. In eigentlich allen europäischen Ländern waren Plein-Air-Malerkolonien entstanden.

In der heutigen Zeit, in der Wirklichkeit weitgehend durch digitale Medien vermittelt wird, wirkt es dagegen zunehmend exotisch, wenn Maler die Realität noch in ihrer unmittelbaren visuellen und taktilen Umgebung verorten. Spätestens seit dem Siegeszug der Pop Art ist das Malen nach Photos allgemeiner Standard. Besonders aber die Darstellung landschaftlicher Schönheit wirkt problematisch, sie hat etwas ebenso Unzeitgemäßes wie Blumensträuße oder Sonnenuntergänge, und anders als in ironischer Brechung scheint sie kaum mehr möglich zu sein.

Die jungen Künstler überprüfen im Experiment des Workshops, ob es heute noch möglich ist, die unbestreitbare Naturschönheit dieser Landschaft in gültigen, wahren und absolut zeitgenössischen Werken darzustellen: Blicke des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf den schönen und zugleich vom Massentourismus gezeichneten Chiemsee.

Galerie Prien.

Die Künstlerkolonie Frauenchiemsee war Mitte des 19. Jahrhunderts europaweit bekannt und begründete den Chiemsee, mit seinem Hauptort Prien, als Malerparadies. Die Berge und der See mit seinen Inseln war zu dieser Zeit die ideale Kulisse für Maler, die insbesondere aus den Großstätten aufs Land kamen.

In dieser Tradition steht Prien am Chiemsee auch heute noch und ist Mitglied der EuroArt, die einen Zusammenschluss europäischer Künstlerkolonien darstellt.